Biomes – millions for DNA sequencing

Also the digital edition of Handelsblatt picked up the story of yabeo’s investment in Biomes and reported about the Berlin based Startup, its history and products.

Please read the full story below:

Das Bioinformatik-Start-up analysiert das Mikrobiom im Darm. Mit frischem Kapital soll das Geschäft ausgebaut und die Datenbank selbstlernend werden.


Jeder Mensch beherbergt in seinem Darm eine Art Mikrokosmos aus etwa hundert Billionen Bakterien. Dieses sogenannte
 Mikrobiom setzt sich aus schätzungsweise tausend verschiedenen Arten von Darmbakterien zusammen, die in den Wänden des Darms und im Darm selbst siedeln. Das Mikrobiom hat einerseits schützende Funktionen, andererseits können von ihm verschiedene Erkrankungen ausgehen.

Biomes will die wichtigsten Informationen aus dem Mikrobiom ablesen und daraus Empfehlungen ableiten. Dafür bietet das Brandenburger Start-up einen Darmflora-Selbsttest an. Nun hat das Unternehmen eine
Finanzierungsrunde über zwei Millionen Euro abgeschlossen und mit dem Münchener Frühphasen-Finanzierer Yabeo erstmals einen institutionellen Investor an Bord, wie Handelsblatt Inside erfuhr.

„Das Mikrobiom hat einen starken Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen. In den kommenden Jahren werden wir auch dank der
 Produkte und Analysen von Biomes große Fortschritte sehen“, sagt Matthias Sohler, geschäftsführender Gesellschafter von Yabeo.

Der Darmflora-Selbsttest funktioniert so: Ein Nutzer kann sich für
 139 Euro die Testausrüstung bestellen. Anhand einer Stuhlabgabe in ein kleines Proberöhrchen, das zurück zum Unternehmenslabor gesendet wird, werten Bioinformatiker die Zusammensetzung der Darmbakterien aus. Mehrere Hundert codierte Zeilen sind das Ergebnis.

Selbstlernendes System ersetzt Wissensdatenbank

Aktuell durchläuft der Code im Anschluss noch ein Verfahren, bei dem die Daten in Relation zu Ergebnissen der Forschung zum Mikrobiom gesetzt werden, um daraus Verbesserungsvorschläge für den Lebensstil des Nutzers abzuleiten. Diese Wissensdatenbank besteht aktuell aus
 7000 Studien, die unabhängig geprüft worden sein müssen. Jede Handlungsempfehlung muss von mindestens drei Studien gestützt sein, dabei müssen bei mindestens einer Menschen als Probanden teilgenommen haben. „So erfüllen wir die Anforderungen evidenzbasierter Medizin“, sagt CEO Paul Hammer.

Biomes arbeitet aber auch an einem
 selbstlernenden System, um die Wissensdatenbank perspektivisch zu ergänzen beziehungsweise zuersetzen. So erfragt das Unternehmen bei seinen Kunden die Behandlungserfolge. Die Ergebnisse sollen einen Algorithmus füttern, der darauffolgende Empfehlungen anhand der Rückmeldungen stetig anpasst.

Das Start-up analysiert insbesondere, welche Arten von Darmbakterien ein Nutzer in seinem Darm hat. Eine große Diversität soll resistenter gegen Krankheiten machen. „
Die Diversität leidet besonders unter einer immer steriler werdenden Lebensweise“, erklärt CPO Christin Günther.

Das häufige Desinfizieren der Hände oder unnötige Einnahme von Antibiotika würden Bakterien töten, die für den Körper grundsätzlich von Vorteil wären: „Viele haben immernoch das veraltete Bild der ausnahmslos schädlichen Bakterien vor Augen.“ Nutzer erhalten von Biomes beispielsweise Ernährungstipps, um die eigene Darmflora zu stärken.


Biomes ist eine Ausgründung der Technischen Hochschule Wildau, südlich von Berlin und beschäftigt seit seiner Gründung 2017 mittlerweile 43 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben wurde der
 Darmtest im vergangenen Jahr 10.000 Mal verkauft. Damit ging eine Umsatzsteigerung von 380 Prozent gegenüber dem Vorjahr einher.

Vertrieben wird der Test direkt an Kunden oder über Partner wie Ernährungsberater. Bisher ist das Start-up vor allem im deutschsprachigen Raum aktiv und expandiert nun auch nach
 Frankreich. Den Darmflora-Test soll es künftig auch für Kinder und Haustiere geben. Langfristig will Biomes auch andere Mikrobiomen analysieren, möglicherweise etwa in der Haut oder gar jene in Bodenkulturen.

Die Anwendung richtet sich an Selbstzahler. Zwar sei die eigene Arbeit durchaus medizinischer Natur, sagt CEO Hammer: „Aber wir
 sind kein Medizinprodukt und wollen das aktuell auch gar nicht sein.“ So gibt Biomes nur Tipps für einen der Darmflora förderlichen Lebensstil, stellt aber keine medizinischen Diagnosen. „Das muss stets einem Arzt überlassen sein“, findet Hammer. Julian Olk